Versteifungsoperationen an der Wirbelsäule

Ende oder neuer Anfang ?

Fast jeder hat im Leben einmal starke Rückenschmerzen gehabt, doch nur weniger als 5 % entwickeln daraus einen chronischen Schmerzzustand. Manchen dieser Patienten könnte mit einer Versteifung (Verblockung) einzelner Wirbelsäulensegmente geholfen werden. Meist handelt es sich bei diesem Leiden um Folgezustände von vorangegangenen Wirbelsäulenoperation oder aber auch um spontan durch Knochenwucherungen entstandene Engstellen oder im Gegenteil eine "Hypermobilität" oder "Instabilität" einzelner Segmente.

Wieso versteift man Wirbelsäulensegmente ?

Die Wirbelsäule besteht aus zahlreichen beweglichen Wirbeln, von denen jeweils zwei zusammen mit der dazwischen liegenden Bandscheibe als "Bewegungssegment" bezeichnet werden. Diese einzelnen Bewegungssegmente bilden zusammen eine funktionelle Einheit. Trotzdem können sie je nach Lage recht unterschiedliche Bewegungsabläufe und Belastungen aufweisen. Bereits unmittelbar nach Wachstumsabschluß beginnt eine Alterung "Degeneration" der Bandscheiben und somit der Bewegungssegmente. Am Anfang unmerklich, dann immer schneller. In der Folge kann die Beweglichkeit der Segmente zu stark zunehmen – das Segment wird instabil. Manchmal versucht der Körper durch Knochenwucherungen das Bewegungssegment zu stabilisieren, dann entwickelt sich eine Engstelle. Auf jeden Fall muß bei einer Operation sichergestellt sein, daß Ruhe in den gereizten Wirbelsäulenabschnitt einkehrt und damit der Schmerz abklingen kann. Die Belastungsfähigkeit ist wieder gegeben. Die wichtigste Erkenntnis ist: ein geschädigtes Segment kann seine Funktion nicht mehr ausüben. Durch eine Versteifung wird es zumindest belastungsfähig und angerenzende Segmente könne seine Aufgabe mit übernehmen.

Wer kommt für so eine Operation in Frage ?

Wenn konservative Behandlungsmethoden nicht mehr zum Ziel führen und die Schmerzen so stark werden, daß die Lebensqualität ernsthaft beeinträchtigt ist, muß man einen solchen Eingriff in Betracht ziehen. Nach genauer Untersuchung und Abklärung durch funktionelle Röntgenaufnahmen, CT, MRT ev. auch Myelographie unter Funktion sowie Berücksichtigung des Alters, Berufes und der Krankengeschichte kann ein solcher Eingriff geplant werden.

Wie läuft eine Wirbelsäulenversteifung technisch ab ?

Je nach Lokalisation wird die Wirbelsäule von vorne oder hinten dargestellt und die betroffenen Segmente mit Knochenblöcken verblockt. Dabei kann man auch den Platz erweitern und einzelne Nervenwurzeln freilegen. Mit verschiedenen Arten von körperverträglichen Implantaten wird die Verblockung so abgesichert, daß man heute eine sehr schnelle und miederfreie Nachbehandlung erreicht.

Welche Komplikationen können auftreten ?

Jede Wirbelsäulenoperation ist heute ein Routineeingriff, der ähnlich wie Implantation von künstlichen Gelenken im hochsterilen Operationssaal durchgeführt wird und einem gewissen Standart unterworfen ist. Die Komplikationsrate (Infektion, Thrombose/Embolie, Nervenverletzung, Lockerung) liegt daher auch unter 1 % der Eingriffe. Mit guter Technik kann in über 95% der Operationen eine sichere Verblockung erreicht werden. Bei Ausbleiben der Knochenheilung kann durch eine Revision noch weiterer Knochen angelagert werden.

Wie ist die Nachbehandlung ?

Meist können die Patienten am ersten Tag nach der Operation aufstehen und nach 10 Tagen das Krankenhaus verlassen. Allerdings ist eine absolute Schonung bis zur Knochenheilung, also für 3 bis 6 Monate nötig. Jeder Patient erhält eine Anleitung für wirbelsäulengerechtes Verhalten und Anleitung zu stabilisierender Gymnastik. Die Arbeitsfähgkeit hängt stark von der beruflichen Tätigkeit und der Vorgeschichte ab.

Wie beweglich bin ich nach einer Versteifungsoperation und darf ich wieder Sport treiben ?

Nach etwa 6 Wochen kann mit Schwimmen und langsamen Muskelaufbau begonnen werden. Schifahren, Tennis und Golf sind nach 9 bis 12 Monaten wieder möglich. Jogging ist weniger günstig.

Wie erfolgreich sind solche Eingriffe ?

Wenn die Voraussetzungen für den Eingriff stimmen und alles ordnungsgemäß verläuft, kann man damit rechnen, daß nur noch geringe Restbeschwerden zurückbleiben. Die meisten Patienten kommen nach der Operation wesentlich besser mit dem täglichen Leben zurecht. Die Medikamenteneinnahme wird reduziert und die Lebensqualität wird dadurch und durch verbesserte Belastungsfähigkeit zunehmen.